Burnout

Dass ich irgendwann einmal in einer Psychiatrie landen würde, dass hätte ich niemals gedacht. Ich lag auf meinem Bett, starrte zur Decke und dachte über mein Leben nach. Wenn ich die letzten Jahre noch einmal Revue passieren ließ, hatte mir mein Körper etliche Signale gesendet – alle wurden gekonnt von mir ignoriert – Schlafstörungen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, um nur ein paar davon zu nennen. Mit Tabletten und Massagen ging ich diese „Zipperlein“ an, ohne zu erkennen, dass mein Körper eigentlich um Hilfe, um Ruhe schrie.

Die letzten Jahre waren mehr als stressig, der normale Wahnsinn, unsere Selbständigkeit, Haushalt, Kochen, Wäsche, usw. und hinzu kam noch die schwere Lungenkrankheit und der Tod meines Vaters, parallel dazu hatte meine Oma einen Schlaganfall und meine Mutter und ich übernahmen die Betreuung und letztlich erkrankte meine Mutter noch an Krebs. Oft sagten meine Freunde „Du musst auf Dich aufpassen, mehr auf Dich achten, sonst kippst Du irgendwann um“. Ich doch nicht! Ich, die immer alles im Griff hat, die jeden Tag perfekt durchstrukturiert hat, mir passiert doch so etwas nicht! „Ich passe schon auf mich auf“ winkte ich jedes Mal ab. Und bemerkte nicht, dass ich mich schon seit einiger Zeit in der Spirale nach unten befand. Schon als ich morgens die Augen aufmachte plante ich im Kopf meinen Tag durch und wenn ich das geplante nicht schaffte war ich frustriert – am nächsten Tag ging das Spiel von vorne los – Firma, Haushalt, ich und alles um mich herum – alles musste perfekt sein. Dazu kam der Druck – Druck von außen und am schlimmsten – der Druck den ich mir selbst machte. Oft betrieb ich Multitasking und machte teilweise drei Dinge auf einmal. Selbst die Freizeitgestaltung erschien mir nur noch wie ein Termin, ein Muss! Ein unnötiges Übel, denn in dieser Zeit könnte ich doch schon so viel wieder erledigen.

Schon lange kreisten meine Gedanken und die Angst die Kontrolle zu verlieren wurde immer größer. Ich war körperlich und geistig einfach nur noch erschöpft und ausgebrannt. Ich habe nur noch funktioniert. Und machte weiter, weit über meine Grenze hinaus. Bis zu einem Tag Ende Juli, es war ein Freitag, ein heißer Sommertag. Wieder  versuchte ich an diesem Tag alles was ich mir vorgenommen hatte zu erledigen und bemerkte wieder einmal, dass ich es nicht schaffen würde. Ich bemerkte dass ich nicht mehr konnte und auch nicht mehr wollte, aber ich musste doch, denn es muss doch alles erledigt sein….. Und plötzlich schoss es mir wie Strom in den Körper, mir wurde übel, ich ließ alles was ich in der Hand hatte schlagartig fallen und rannte in Richtung Couch und legte mich hin. Zu meinen Symptomen kamen dann noch Schüttelfrost, Zitterattacken, ich schwitzte und fror gleichermaßen und hatte Missempfindungen. Ich merkte nicht ob es heiß oder kalt war. Es ging mir immer schlechter, von Tag zu Tag. Ich hatte keine Kontrolle mehr über mich, über meinen Körper. Ich wusste nicht was mit mir los war, ich hatte schreckliche Angst. Ich konnte kaum noch laufen, musste gestützt werden. Dreimal wurde ich mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren – und immer wieder nach Hause geschickt – keiner konnte etwas feststellen. Ich verstand die Welt nicht mehr.

Eine Odyssee an Arztbesuchen begann. Ich wurde mit allen möglichen Untersuchungen auf den Kopf gestellt. Keiner konnte mir helfen. Sieben Wochen lag ich krank im Bett, konnte kaum etwas essen, nahm rapide ab, konnte nicht aufstehen. Bis es wieder so schlimm war und der Rettungswagen mich erneut ins Krankenhaus beförderte. Ein sehr netter Neurologe setzte sich zu mir ans Bett und machte mich diskret darauf aufmerksam, dass meine Symptomatik nichts Körperliches sei. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen….! Das ist psychosomatisch! Kurz darauf ließ ich mich in die Psychiatrie einweisen. Schon beim Einweisungsgespräch mit dem Arzt hatte ich das Gefühl endlich verstanden zu werden. Er erstellte eine eindeutige Diagnose – versteckte Depression durch Überlastung – auch Burnout genannt – und endlich nahm mich ein Krankenhaus stationär auf. Endlich konnte mir geholfen werden.

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