Mein Klinikaufenthalt

Die ersten beiden Tage in der Klinik waren der blanke Horror für mich. Beide Tage verbrachte ich in Quarantäne – den ersten Tag davon, ein Samstag, musste ich auf das Ergebnis des Corona Tests warten und am zweiten Tag reagierte ich mit Übelkeit und Durchfall auf ein mir verordnetes Antidepressivum. Und da man sich nicht sicher war, ob ich wirklich auf das Medikament reagierte oder nicht doch irgendeinen Virus hatte, durfte ich den zweiten Tag das Zimmer ebenfalls nicht verlassen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich ohnehin immer noch nicht aufstehen, geschweige denn irgendetwas essen konnte. Mein Zustand war gleichermaßen schlecht. Und die verriegelten Fenster, welche man nur zum Kippen öffnen konnte, machten mir als Klaustrophobikerin ebenfalls zu schaffen. Die Schwestern und Pfleger kümmerten sich rührend um mich, brachten mir Zeitschriften und fragten regelmäßig nach meinem Befinden.

Montagmorgen kam eine Schwester zu mir ins Zimmer, welche ich noch nicht kennen gelernt hatte. Sie stellte sich in unterkühltem, resoluten Ton vor und ich merkte sofort, dass wir keine Freunde werden würden. Dass ausgerechnet Sie mir in guter Erinnerung bleiben würde, hätte ich in diesem Moment niemals gedacht. Von ihr bekam ich weder Mitgefühl noch Fürsorge, ich hatte eher das Gefühl einen Feldwebel vor mir zu haben. Ich fühlte mich einsam und verloren und sehnte mich nach den Schwestern und Pflegern von den letzten beiden Tagen zuvor. Nachdem sie mein unberührtes Frühstück abgeräumt, mir später das Mittagessen brachte und mich wie ein Häufchen Elend im Bett liegen sah sagte sie im barschen Ton “Wenn Sie nichts essen und nicht aufstehen, brauchen sie sich nicht zu wundern, dass es Ihnen schlecht geht, so werden sie mit Sicherheit nicht gesund.“ Ich war tief getroffen, verletzt und wütend zugleich. Ich dachte, was nimmt die sich denn raus, so mit mir zu reden? Sie soll mal hier liegen und so behandelt werden. So eine Frechheit. Ich lag im Bett und weinte.

Doch irgendwann, wie aus dem Nichts, kam eine innere Stimme und sagte „Komm Kind, steh auf, Du schaffst das! Du musst, egal wie! Denk an das was die Schwester zu Dir gesagt hat!“ Mir war übel und schwindelig, doch ich zog mich langsam am Nachttisch hoch und versuchte mich zumindest erst einmal auf die Bettkante zu setzen. Da saß ich dann eine ganze Weile bis mein Zustand sich leicht verbesserte. Vorsichtig stellte ich meine Beine auf den Boden  und stand ganz langsam auf. Sofort wurde ich wieder von meiner Übelkeit übermannt, alles drehte sich um mich und ich legte mich sofort wieder hin. Wieder kam diese Stimme in mir hoch. Und ich startete einen neuen Versuch. Wieder musste ich mich nach kurzer Zeit hinlegen, da die Übelkeit und der Schwindel immer wieder schlimmer wurden. Das Ganze Wiederholte sich mehrere Male, bis ich es schaffte mich am Bett festhaltend, mehrere Schritte zu laufen. Vorsichtig ging ich zum gekippten Fenster und atmete die dort hereinströmende, frische Luft ein. Die Übelkeit und der Schwindel wurden endlich etwas besser. Ich hatte es endlich geschafft aufzustehen!

Ich setzte mich an den Tisch und öffnete den Deckel der über dem Teller meines immer noch auf meinem Tisch stehenden Mittagessens gestülpt war. Es gab Spinattortellini mit Tomatensoße. Eigentlich ein Essen, welches ich liebte. In meinem Zustand aber trieb mir schon der Geruch den Ekel in die Magengegend. Ich musste aber endlich essen, denn ich hatte schon rapide abgenommen, da ich die letzten Wochen kaum etwas zu mir nehmen konnte. Widerwillig schob ich mir einen Tortellini in den Mund und kaute ewig lange darauf herum. Ich zwang mich zum Essen und nach und nach schob ich mir immer wieder einen Tortellini in den Mund, so wie es mein Zustand zuließ. Ich merkte mit jedem Bissen, dass es mir besser ging, der Schwindel ließ nach, mein Kreislauf beruhigte sich. Ich saß geschlagene zwei Stunden vor meinem Teller, aber ich aß die komplette Portion.

Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber ab diesem dritten Tag in der Klinik blieb ich auf den Beinen. Ich bekam einen Klinikplan mit verschiedenen täglichen Anwendungen und die Ärzte stellten mir einen 3-4 wöchigen Aufenthalt in Aussicht. Man stellte mich zusätzlich mit Medikamenten ein. Von nun an ging es mir von Tag zu Tag besser und ich lernte auf mich selbst zu achten. Nach 3 Wochen konnte ich aus der Klinik entlassen werden. Und der Schwester, welche mir die Ansage gemacht hat, bin ich heute noch dankbar!

Eure Tanja von T ❤ M

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